Unser „Nachbarschaftsgespräch“ zum Thema „Diskriminierung“

Am 17. Juli 2018 fand im Gebrüder Schmid Zentrum unser erstes „Nachbarschaftsgespräch“ statt – im Rahmen des „Männercafés“, obwohl auch Frauen herzlich eingeladen waren.

Das Nachbarschaftsgespräch in lockerer entspannter Atmosphäre

Die rund 30 Teilnehmer*innen verschiedenster Nationalitäten – ausgewogen zwischen weiblich und männlich – beteiligten sich mit ihren Erfahrungen und Beiträgen ausgesprochen rege, ja mit Herzblut an der Diskussion zum Thema „Diskriminierung“. Für die beiden Moderatoren Dominique Jend und Riyad Alhajja war es wichtig, dass die Teilnehmergruppe durch persönliche Erfahrungen, über die sie gesprochen haben, miteinander ins Gespräch kommen – ein Erlebnisbericht:

Nachbarschaftsgespräch "Diskriminierung"
Offener Austausch zu einem brisanten Thema
von Bernd Lange

Es bot sich geradezu an, unser “Nachbarschaftsgepräch“ in Form einer Fishbowl-Gesprächsrunde zu führen (bei der Fishbowl-Methode diskutiert eine kleine Gruppe von Teilnehmer*innen in ständig wechselnder Besetzung im Innenkreis – im „Goldfisch-Glas“ – das Thema, während die übrigen Teilnehmer*innen in einem Außenkreis die Diskussion beobachten). So entwickelte sich zwischen den rund 30 Teilnehmer*innen ein anregender, intensiver Gedanken- und Meinungsaustausch – trotz und vielleicht auch gerade wegen des Themas vollkommen vorurteils- und diskriminierungsfrei. Dass es dennoch zu durchaus polarisierenden Diskussionen kam, ist auch der nationalitäten-bunten, generationenübergreifenden Zusammensetzung – weiblich und männlich ausgewogen – zu verdanken. Polarisierend im positiven Sinne, weil die Diskussionen hinsichtlich Normen und Regeln in den unterschiedlichen ethnischen Gesellschaftsformen und Lebensverhältnissen immer wieder neue Blickwinkel und Sichtweisen eröffneten. Und wenn die mit viel Leidenschaft geführten Diskussionen doch einmal zu eskalieren drohte, wusste Dominique Jend durch seine souveräne Gesprächsführung und Moderation das Thema schnell wieder in respektvolle, sprich emotions-sachliche Bahnen zu lenken.
Dank der multikulturellen Mischung wurde eines sehr deutlich: In allen Kulturen gibt es auf der gesellschaftlichen Ebene ganz unterschiedliche, individuelle Diskriminierungs-Ebenen. Es zeigte sich jedoch, dass viele Diskriminierungen aufgrund politisch und/oder religiös gesteuerter Gesetze, Regelungen, Gebote und Glaubensbekenntnisse in vielen Kulturkreisen zwangsläufig ’vorprogrammiert’ sind. Vereinfacht ausgedrückt: Wer sich nicht an traditionell gewachsene, gegebene oder aufgezwungene Normen hält, läuft Gefahr, diskriminiert zu werden.
Die von den Teilnehmer*innen geschilderten Diskriminierungen, denen sie persönlich ausgesetzt waren oder sind, haben gezeigt, sie gehören zum gesellschaftlichen Alltag – unabhängig von kulturellen Unterschieden. Ob geschlechtsspezifisch: Frauen werden von Männern diskriminiert – wegen ihres Aussehens, ihrer Körpergröße ... überholte Rollenbilder, die immer noch in den Köpfen verankert sind. In unseren Breitengraden ist es auch umgekehrt: Frauen diskriminieren Männer – wegen ihres Auftretens, ihres Verhaltens, ihres Habitus. Erwachsene diskriminieren Kinder, Eltern demütigen ihre eigenen Kinder, in der Schule werden sie von ihren Mitschüler*innen oder von Lehrer*innen ausgegrenzt. Im Berufsleben wird gegenseitig diffamiert, erniedrigt ... neudeutsch: gemobbt, werden Mitarbeiter*innen benachteiligt. Im öffentlichen Leben werden bspw. ’andersartige Menschen’ von sog. Ordnungshütern diskriminiert. In Lebensgemeinschaften werden Partner*innen verletzt, gekränkt, misshandelt ... Die meisten Teilnehmer*innen erzählten offen von ihren selbst gemachten Erfahrungen – oft banale Gründe, bei denen sie sich diskriminiert fühlten.
Mein persönliches Fazit, das ich aus diesem “Nachbarschaftsgespräch“ gewinnen konnte: Fehlende Toleranz und Akzeptanz, fehlendes Mitgefühl für andere und fehlendes Verständnis für ein Miteinander sind ’Killerfaktoren’, die sehr schnell Diskriminierungen auslösen können. Das “Nachbarschaftsgespräch“ hat eindrücklich bewiesen: Trotz kontroverser Ansichten wurde ein toleranter, liberaler, freimütiger und verständnisvoller Umgang mit seinen Mitmenschen gepflegt ... und diese Form des respektvollen Miteinanders bietet keinen Nährboden für Diskriminierungen. 
Eines hat das “Nachbarschaftsgespräch“ im wahrsten Sinne des Wortes geschaffen: Es war von einem gemeinschaftlichen nachbarschaftlichen Miteinander getragen. Und wenn mich mein Gefühl nicht trügt, dann wurden an diesem Abend auch neue Freundschaften geknüpft. Ich bin mir sicher, dass ich mit meinem Gefühl richtig liege.
Das Männercafé, das keines war, weil auch Frauen erwünscht waren – also auch hier gabs keine Diskriminierung –, schreit förmlich nach weiteren Nachbarschaftsgesprächen. Vielleicht sollte es künftig Nachbarschaftscafé heißen – naheliegend, wenn schon der Ort das Café Nachbarschafft ist?!

Weitere „Nachbarschaftsgespräche“ im Café Nachbarschafft sind geplant:

  • zum Thema „Wie habe ich meine Kindheit erlebt“ am Dienstag, 18. September 2018 um 18.00 Uhr – Moderation: Freundeskreis Flüchtlinge Süd;
  • zum Thema „Kulturelle Missverständnisse“ am Dienstag, 16. Oktober 2018 um 18.00 Uhr – Moderation: Tina Syring.

Das „Männercafé“ findet weiterhin jeden Dienstag von 18.00 bis 20.00 Uhr im Foyer Tagesbetreuung statt – die Organisatoren sind Riyad Alhajja und Dominique Jend.

 

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