Gelebte Nachbarschaft Heslach e. V. – Initiative im Gebrüder Schmid Zentrum – Aktivitäten 2019

Einmal im Monat jeweils an einem Samstagnachmittag kommen Menschen mit und ohne Handicap im Gebrüder Schmid Zentrum zusammen, um mit Farben, Kreiden oder Malstiften zu experimentieren, Bilder zu gestalten und sich selbst auszudrücken. Wir alle sind keine Profis, haben aber Spaß an den Materialien, am Beisammensein und am gemeinsamen Austausch. Die Gruppe ist für jeden, der mitmachen möchte, offen und setzt sich zurzeit aus acht bis zwölf Personen zusammen. Wir haben uns bisher an acht Samstagen, jeweils von 14.00 bis 16.00 Uhr getroffen. Wir starteten mit einem „Gemeinschaftswerk“ auf einem Malkarton. Das Thema lautete „Begegnung“. Jede/r Teilnehmer*in konnte seine eigenen Assoziationen zu diesem Thema auf die Malpappe bringen. Zudem erhält das farbenfrohe Werk eine Rahmung und steht synonym für die Gesamtgruppe. Mit diesem Kunstwerk wollten wir die Gemeinschaft und das Miteinander fördern. Dies scheint gelungen zu sein, weil die Gruppe relativ konstant ist.
An den nächsten zwei Terminen arbeiteten wir mit einer Form von Collagetechnik: Zeitungsschnipsel, die auf Malpapier wahllos aufgeklebt wurden, wurden durch Strukturelemente wie Linien und Flächen miteinander verbunden sowie mit Farbgebung unterstützt. Es entstanden trotz der Vorgaben völlig eigenständige und spannende Bilder. An zwei weiteren Malsitzungen beschäftigten wir uns mit „Kaffeebildern“: Dick angerührter Nescafé wurde auf Papier getropft und mit Hilfe von einem Strohhalm oder einer Kulitülle verblasen. Dadurch entstanden braune Strukturlinien, die mit Hilfe von Farbe (Aquarell, Pastellkreide) zu völlig neuen Bildaussagen führten. An den letzten Terminen wurden wir von einer Kunsttherapeutin in eine Falttechnik eingewiesen, durch die sich Linien und Flächen auf dem Papier bildeten. Mit Wachsmalkreiden wurden einzelne Flächen bemalt. Das anschließend aufgefaltete Papier erzielte durch Verwendung von Aquarellfarben eigenwillige und interessante Wirkungen.
Alle Beteiligten genossen die ruhige, konzentrierte und meditative Stimmung. Obwohl wenige der Beteiligten Erfahrung mit dem Malen haben – einige sagten explizit, dass sie nicht malen könnten, sind die jeweiligen Ergebnisse erstaunlich und überraschend.
Die kommenden Termine werden wir nutzen, um mit Acrylfarben und anderen Techniken zu experimentieren. Außerdem sind wir dabei, Bilder auszuwählen, diese zu rahmen und für zwei in Aussicht gestellte Ausstellungen (im Gebrüder Schmid Zentrum und im Marienhospital) vorzubereiten. Zu den Vernissagen werden wir noch einladen.

Begleitend zu den Malterminen besuchten wir einige Kunstmuseen:
Zunächst waren wir in der Staatsgalerie Stuttgart und hatten dort eine Führung zur klassischen modernen Malerei. Der zweite Besuch führte uns ins Schauwerk in Sindelfingen. Zum einen ist das Museum durch seine Architektur ein besonderer Leckerbissen, den auch unsere Rollstuhlfahrer*innen sehr genossen, da dort einfach viel Platz ist. Zum anderen geben die modernen Werke einen guten Einblick in die Vielfalt der aktuellen Kunst.
Im August d. J. fuhren wir ins Museum Würth nach Schwäbisch Hall, wo derzeit französische Malerei ab 1900 ausgestellt wird (siehe weiter unten). Alle Kunstmuseumsbesuche schließen wir mit einer Einkehr ab, um die Eindrücke auszutauschen und den Tag ausklingen zu lassen.

Unser Ausflugsprojekt, das durch die Helfenden Hände e. V. Stuttgart (ebenfalls eine Initiative im Gebrüder Schmid Zentrum) gefördert wird, ist ebenfalls gut angenommen worden. Bisher haben wir vier Ausflüge durchgeführt:
Unser erster Ausflug führte uns am 16. Februar d. J. ins Museum am Löwentor, wo ein junger Biologe und Paläontologe uns durch die verschiedenen Zonen der Erdgeschichte führte. Er berichtete auch über aktuelle Ausgrabungsstätten. Das war sehr interessant. Wir waren eine gemischte Gruppe, u. a. mit Bewohner*innen der Pflegeeinrichtung im Generationenhaus Heslach sowie mit Geflüchteten. Für uns alle war es ein sehr interessanter Museumsbesuch, den wir bei einer Tasse Kaffee im Café Fossil haben ausklingen lassen.
Am 13. April d. J. war unser Ziel der Botanische Garten Hohenheim. Natürlich hatten wir für diesen Ausflug auf Frühlingssonne und blühende Bäume gehofft. Aber der Wettergott meinte es nicht gut mit uns. Es wurde dennoch ein wunderbarer Nachmittag. Ein Mitarbeiter der Universität lud uns zu einer Führung in den Gewächshäusern ein, die sonst nicht zugänglich sind. Und so hatten wir wieder ein ganz besonderes Erlebnis.
Das Museum der Alltagskultur in Waldenbuch besuchten wir am 1. Juni d. J.. Es war herrlichstes Sommerwetter, so dass die Fahrt dorthin mit Stadtbahn und Bus sehr schön war. Ein Teilnehmer kam direkt mit dem Fahrrad und traf dort auf uns. Beim Gang durch die Ausstellungsräume kamen bei vielen von uns Kindheitserinnerungen zurück. Zu diesem Ausflugsziel konnten wir leider keine Rollstuhlfahrer*innen mitnehmen. Denn der Weg zum Museum über Kopfsteinpflaster war für sie nicht geeignet und auch das Museum ist nicht barrierefrei.
Im August erlebten wir dann das bisherige „Highlight“: Am 22. August d. J. fuhr unsere Gruppe mit der Bahn nach Schwäbisch Hall. In der dortigen Kunsthalle Würth besuchten wir die Ausstellung „Von Henri Matisse bis Louise Bourgeois“, die aus Leihgaben des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris besteht. Mit Hilfe einer Führung konnten wir in ausgewählte Werke der modernen Malerei in Frankreich eintauchen. Auf der Dachterrasse des Sudhauses nahmen wir unser Mittagessen ein und genossen den bezaubernden Blick auf die historische Stadt. Dieser Ausflug war eine Kooperation zwischen dem Kunst- und Malprojekt sowie unserem Ausflugsprojekt.

Sowohl die Resonanz auf unser Kunst- und Malprojekt als auch auf die Ausflüge ist sehr positiv. Wir konnten den Teilnehmer*innen viel Freude bereiten.
Bis Ende des Jahres 2019 werden wir im Rahmen unseres Ausflugprojektes am 14. September das Haus der Geschichte besuchen, und am 16. November planen wir in die „Azteken“-Ausstellung im Lindenmuseum zu gehen.
Innerhalb unseres Kunst- und Malprojektes werden wir uns am 28. September, 26. Oktober und 30. November d. J. jeweils von 14.00 bis 17.00 Uhr zum Malen treffen und am 14. Dezember noch eine weitere Ausstellung besuchen.


Wer gerne an unseren Angeboten teilnehmen möchte, kann sich jederzeit melden bei:
- Susanne Wirth  ·  Tel.: 0711 603896 ·  E-Mail: susanne.70199@web.de (1. von links)
- Heidi König  ·  Tel.: 0711 634221 ·  E-Mail: heidy55k@gmail.com (2. von rechts).

Mehr über uns finden Sie auch hier: 
https://gebrueder-schmid-zentrum.de/initiativen/gelebte-nachbarschaft-heslach-e-v/.