„Ich weiß mein Glück jeden Tag aufs Neue zu schätzen, hier im Hause mein Zuhause gefunden zu haben.“

Blickt Yadi Ghobadi auf sein Leben zurück,
bleibt ihm die Erkenntnis,
es ist im Großen und Ganzen zweigeteilt.
Immer schon; und auch heute,
in seinem jetzigen Daheim
im Generationenhaus Heslach empfindet er es so –
mehr im kleineren Radius
seines Lebensraumes.

 


1979 verlor Yadi Ghobadi vor einer Sekunde zur anderen den Boden unter seinen eigenen Füßen: ein Autounfall in Amerika … mit der bitteren Diagnose: für immer im Rollstuhl leben zu müssen. Ein Zurück in sein Heimatland Iran, vor allem auf seinen Geburtsort, die Insel Abadan, war undenkbar. Es herrschte damals der grausame Golfkrieg im Iran, und seien Eltern waren bereits verstorben. Einzig sein Bruder hatte als Flüchtling Asyl in Deutschland gefunden – er holte Yadi zu sich.

Mit Eröffnung des Generationenhauses Heslach kam dann für Yadi Ghobadi die glückliche Fügung: Er wurde zu einem der ersten Bewohner in der „Jungen Pflege“ des Hauses. Damit fand er in den bald 15 Jahren, die er hier wohnt und lebt, eine neue Heimat – sein neues Zuhause. Ein Zuhause, in dem er sich wohl fühlt, in dem er viele Freunde und gute Bekannte gefunden hat. Und er auch regelmäßig vom Bruder mit seiner Familie besucht wird – von seiner kleinen Nichte, die sein Herz erfreut. Und nicht nur sie – Kinder machen ihn immer ganz glücklich. (Da kommt auch die Titelseite der Jubiläumsbroschüre Das Ganze im Viertel nicht von ungefähr.)

Yadi Ghobadi empfindet sein Leben im Mikrokosmos des Generationenhauses – so glücklich er ist, auch wieder zweigeteilt: Oben, in seiner Wohnung im Pflegebereich, bleibt er gerne bei sich, wenn er die Ruhe sucht. Unten jedoch, im Café Nachbarschafft, oder bei schönem Wetter auch draußen vor dem Café, ist er sehr viel lieber und sehr viel häufiger mit anderen Menschen zusammen. Mit Menschen sich unterhalten, reden, diskutieren, Gedanken austauschen … miteinander kommunizieren ist für Yadi immer schon wichtig gewesen, und nach seinem Handicap wurde es für ihn mehr denn je zu einem wertvollen Lebensinhalt. Das Schöne daran ist, dass er im Café Nachbarschafft Freunde gefunden hat aus allen Kulturkreisen, aus Ländern, die ihn interessieren, dass sich nicht nur Ältere, sondern auch Kinder und Jugendliche mit ihm gerne unterhalten, dass er „dazugehört“, wie er verschmitzt sagt. Er bezeichnet sich selbst als positiv denkenden Menschen – und das spürt auch jeder, der auf ihn zugeht. Seine Lebenseinstellung „Ich habe viel Zeit für andere – und ich freue mich, wenn sich andere auch Zeit für ihn nehmen“ – lebt er jeden Tag aufs Neue aus.

Als Yadi Ghobadi erfahren hat, dass ihm das Café Nachbarschafft auch den Kontakt zu jeden Ort der Welt öffnen kann, war es nur noch ein kleiner Anstoß für ihn, seine Ängste im Umgang mit dem www abzulegen. „Gute Seelen“ im Café haben ihn bestens „geschult“ – und schneller als er gedacht hat, ist ihm auch sein Tablet zu einem wichtigen Gesprächspartner geworden. Informieren, telefonieren, chatten … kurz: kommunizieren über alle Grenzen hinweg gehört zu Yadi Ghobadi zum täglichen Leben im Café Nachbarschafft – wie sein täglich Brot. Apropos Essen: Yadi Ghobadi mag nicht nur gerne mit seinen Mitmenschen reden, auch das gemeinsame Essen am Tisch genießt er besonders. Und da er trotz www genügend Zeit hat für andere hat, bleibt auch viel Zeit dafür. Wir alle, die ihn kennen und schätzen, werden ihm damit eine große Freude machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.