Heslach im Blick … des Wohnens wert … des Lebens wert …

4. Forum für mehr Wohn- und Lebensqualität im Quartier

Ein Porträt der Veranstaltung
am 5. November 2015 im Café Nachbarschafft

Es war die Themenvielfalt, die die anwesenden Besucher/innen, unsere Bürger/innen im Quartier, angesprochen hat … Es waren die anschaulichen Vorträge, die gezeigt haben, wie bürger- und nachbarschaftliches Miteinander im Quartier gelebt wird und gelebt werden kann …

Und es waren die vortragenden Akteure, die mit ihrem jeweiligen Beitrag der Veranstaltung einen überzeugenden Rahmen gegeben haben:

HiB_AugeDorothea Grübel
Rektorin der Lerchenrainschule Stuttgart-Heslach, über
Gemeinwesen- und alltagsbezogenes Lernen durch engagierte Bürger/innen

HiB_AugeTina Syring
Gebrüder Schmid Zentrum im Generationenhaus Heslach, über
Nachbarschaftliches Miteinander im neuen Lebensumfeld schaffen

HiB_AugeVerena Rieger und Agnes Obenhuber
Bewohnerinnen in der „Fabrik Heslach“, über
Basisdemokratisches Wohnen mit Jung und Alt, Familien und Singles

HiB_AugeKurt Kühfuß
freier Architekt, über
Selbstbestimmtes und gemeinschaftliches Wohnen in Baugemeinschaften

HiB_AugeEsther und Katharina
vom Nachbarschaftsnetzwerk www.deine-strasse.de, über die
Online-Plattform zum Kennenlernen, Teilen und Aushelfen

HiB_AugeDas Rahmenprogramm und die Moderation gestaltete das
Impro-Theater
Die Maßschneiderei.

Heslach im Blick … des Lebens wert …
Zunächst wurden zwei bemerkenswerte Projekte, die im engen Schulterschluss durch Bürgerbeteiligungsprozesse begleitet werden, vorgestellt.

HiB_AugeDorothea Grübel: Das Lernen mit dem Leben verbinden
Die Lerchenrainschule auf dem Weg zur Offenen Bürgerschule

Acht Schulen in Baden-Württemberg zählen zum Netzwerk der Offenen Bürgerschulen. Dazu gehört als jüngste in diesem Kreis die Lerchenrainschule in Stuttgart-Heslach.
Dorothea Grübel stellte das Konzept der Offenen Bürgerschule vor. Eine der sieben Maximen der Offenen Bürgerschule lautet „Die Bildung eines Kindes ist Ergebnis und Verantwortung aller, in deren Mitte es lebt.“ Die Schüler/innen sollen fürs Leben lernen … und das lernen sie nicht nur über den qualifizierten Fachunterricht, sondern auch außerhalb des Unterrichts in Form von Arbeitsgemeinschaften und Projektgruppen, bei denen bürgerschaftlich Engagierte ihr Wissen und Können sowie ihre persönlichen Erfahrungen weitergeben. Lernorte außerhalb der Schule und lebensnahe Angebote unterschiedlicher Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten, die aus dem Lebensumfeld der Schüler/innen kommen, fördern nachweislich die Nachhaltigkeit des Gelernten. Die Konzeption der Offenen Bürgerschule ist keine neue Schulart, sondern ein pädagogisches Konzept, bei dem sich Bürger/innen aktiv mit einbinden und einen Teil des Unterrichts praxisnah gestalten. Und diese Bürger/innen braucht es an der Schule.
Das anschaulich vorgestellte Konzept gibt es hier.
Und wer mehr über das Konzept der Offenen Bürgerschulen wissen möchte, darf gerne schreiben an lerchenrainschule@stuttgart.de.

HiB_AugeTina Syring: Sich in neuer Umgebung zu Hause fühlen
Neubürger/innen im Quartier „willkommen heißen“
In ihrem Vortrag berichtete Tina Syring, die sich im Gebrüder Schmid Zentrum und im Arbeitskreis 2 der Quartiersinitiative „Heslach im Blick“ intensiv mit den Themen rund um des „Nachbarschaftlichen Miteinanders“ beschäftigt, über Konzepte der Willkommenskultur im Quartier. Dabei stellte sie Überlegungen sowie konkrete Schritte und Maßnahmen vor, wie Neubürger/innen im Stuttgarter Süden „willkommen“ geheißen werden können, um sich von Anfang an in ihrer neuen Umgebung zuhause zu fühlen. Es ist der erste Schritt, mit dem ein nachbarschaftliches Miteinander zwischen neuen und alteingesessenen Bürger/innen geschaffen werden kann, das sich nachhaltig weiterentwickelt. Auf den anderen zugehen, ihn einbinden in bestehende Strukturen und damit auf Neues, Fremdes und Andersartiges zugehen … das macht eine lebenswerte Bürgergesellschaft im Quartier aus, die von Verstehen, Offenheit, Toleranz und nachbarschaftlichem Miteinander geprägt ist.
Mehr über die „Willkommenskultur“ im Stuttgarter Süden ist hier nachzulesen.
Und hier ist der Bericht über die 1. Willkommensveranstaltung auf dem Marienplatz im Rahmen der Willkommenskultur.

Heslach im Blick … des Wohnens wert …
Im zweiten Teil ging es um Wohnprojekte, die auf ganz unterschiedliche Weise aufzeigen, wie Bewohner/innen ein nachbarschaftliches Miteinander leben.

HiB_AugeVerena Rieger + Agnes Obenhuber: Alternative Lebensformen unter einem Dach
30 Jahre Wohnprojekt „Fabrik Heslach“
Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es die Fabrik Heslach in der Mörikestraße als gemeinschaftliches Wohnprojekt und wurde 2014 mit einer Vereinsgründung zum „Fabrik Heslach e. V.“. Ziel war es, in einer anderen Wohnform in einem selbstverwalteten und dennoch gemeinschaftlichen Wohnumfeld zu leben. Und jetzt, als organisierter Verein, soll es noch mehr in Richtung Selbstverwaltung gehen. Heute gibt es in der früheren Fabrik sieben Wohnungen unterschiedlicher Größe, in denen Familien mit Kindern, WG’s mit jungen Menschen, Singles und Paare – insgesamt 30 Bewohner/innen einen Lebensraum gefunden haben, den sie nach ihren eigenen Vorstellungen und dennoch gemeinsam gestalten. Verena Rieger und Agnes Obenhuber leben beide seit knapp 5 Jahren in diesem Wohnmodell – in einer Wohnform, in der bei monatlichen Haustreffen gemeinschaftlich geplant, abgestimmt und beschlossen wird. Ihr Wohnprojekt lebt von der bunten Vielfalt eines Miteinanders, in dem jeder Einzelne seine eigenen Freiräume behält. Darüber hinaus pflegen sie mit Aktionen wie Hofkonzerten, Flohmärkten, Festen u. ä. ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das über reine nachbarschaftliche Beziehungen hinausgeht.
Ergänzend weitere Erläuterungen und Impressionen über die „Fabrik Heslach“ gibt es hier.

HiB_AugeKurt Kühfuß: Architekturmodelle für Wohngemeinschaften
Individueller Freiraum im nachbarschaftlichen Miteinander
Seit mehr als 30 Jahren plant, konzipiert und baut der Architekt Kurt Kühfuß Wohnprojekte, bei denen die Grundsätze eines selbstbestimmten und gemeinschaftlichen Wohnens verwirklicht werden. Es ist erkennbar, dass in unserer Gesellschaft das Wohnen und Leben im „urbanen Raum“ immer mehr an Wert gewinnt. Die Ideale und Perspektiven für neue Wohn- und Lebensformen, die beim individuellen Wohnen in Bau- und Wohngemeinschaften praktiziert werden, nehmen gegenüber dem Leben in Miet- oder Eigentumswohnungen in meist anonymen Investoren-Gebäuden immer mehr Raum ein. Anhand von Beispielen zeigte Kurt Kühfuß, welche Chancen diese Wohnmodelle bieten, doch er ließ auch bestimmte Risiken nicht unerwähnt. Für Bau- und Wohngemeinschaften, die sich in den meisten Fällen neu bilden, steht die Eigenständigkeit innerhalb eines nachbarschaftlichen Miteinander im Vordergrund – dazu braucht es bspw. Toleranz, Hilfsbereitschaft und Offenheit. Rahmenbedingungen, wie z. B. knappe Ressourcen an Wohnraum, Finanzierungen, aber auch mögliche Enttäuschungen, dass sich nicht alle Vorstellungen auch 1:1 verwirklichen lassen, kosten allerdings auch viel Kraft, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Für Kurt Kühfuß, der solche Prozesse von der Projektentwicklung bis zur Realisierung begleitet, ist es wichtig, auf die individuellen Vorstellungen aller Beteiligten einzugehen, um dabei die Idealziele für ein gemeinschaftlich orientiertes Wohnen für jeden Einzelnen auch verwirklichen zu können.
Eine visuelle Untermauerung des Vortrags mit anschaulichen Skizzen und Bildern befindet sich hier.

Heslach im Blick … des Wohnens wert … des Lebens wert …

HiB_AugeEsther und Katharina: Gegenseitig unterstützen leicht gemacht
Das Nachbarschaftsnetzwerk www.deine-strasse.de
Vier junge Bewohnerinnen aus dem Stuttgarter Süden – Anja, Corinna, Esther und Katharina – haben eine sehr beachtenswerte Internet-Plattform ins Leben gerufen: das Nachbarschafts-Netzwerk zum Kennenlernen, Tauschen und Aushelfen für Bürger/innen in unserem Quartier. Esther und Katharina präsentierten ihr Konzept, das ein vorrangiges Ziel hat: die Bürger/innen aus ihrer Anonymität zu holen und eine lebendige Nachbarschaft zu schaffen. Die Idee ist, mithilfe eines Netzwerks die Gemeinschaft und das Miteinander zwischen Nachbarn zu fördern, von der jeder profitieren kann. Dabei lassen sich ungeahnte Fähigkeiten und Angebote von den unmittelbaren Mitbürger/innen entdecken, um so bereits vorhandene Besitztümer leicht für die Nachbarschaft zugänglich zu machen – das spart Zeit sowie Geld, und auch weitere Ressourcen können dadurch geschont werden. Über die Internet-Plattform soll es möglich sein, bspw. Gegenstände mit seinen Nachbarn zu teilen, sich gegenseitig auszuhelfen und über Neuigkeiten im Viertel zu informiert zu werden. Familien, Singles, Neuhinzugezogene, Jung und Alt, Menschen mit und ohne Handicap erleben mit diesem nachbarschaftlichen Netzwerk eine neue Lebensqualität. Und sie leben eine gut „funktionierende“ Nachbarschaft – vom virtuellen Raum ins reale Quartier.
Ihre visuell begleitende Präsentation steht hier.
Und hier wird das neue Nachbarschaftsnetzwerk im Internet vorgestellt:
www.deine-strasse.de.

HiB_AugeChapeau – da capo:
Das Improtheater „Die Maßschneiderei“
Wie Unterhaltung losgelöst vom Informationscharakter und -wert erlebt werden kann, zeigte allen Anwesenden das Impro-Theater Die Maßschneiderei, eine Initiativgruppe im Gebrüder Schmid Zentrum des Generationenhauses Heslach. Die Schauspieler/innen bewiesen, wie Theater professionell improvisiert werden kann und wie das Informations-Programm im Allgemeinen und die bestens vorbereiteten Referent/innen im Besonderen ausgezeichnet improvisiert unterstützt wurden.

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