Freitag, 25. Juli 2014: eine klangvolle Rückschau

“Mich deucht, das Größt bei einem Fest /
Ist, wenn man sich’s wohlschmecken lässt.“
Wie recht er hat, unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Doch mehr dazu gleich.
Das Straßenfest vor dem Generationenhaus Heslach wurde mit Leben gefüllt – lebendig war es, fröhlich, bunt und vergnüglich. Für alle und mit allem. Für die Bewohner, für Besucher und Gäste, für die Gruppen und Initiativen mit ihren Darbietungen, für die Ehrenamtlichen, für Jung und Alt – kurz: für jeden. Mit einem abwechslungsreichen, spannenden und attraktiven Programm, mit zahlreichen Veranstaltungen und multikulturellen Darbietungen unterschiedlichster Initiativgruppen, und mit multikulturellen Angeboten für Gaumen, Herz und Magen. Und noch mehr: Auch das Wetter spielte wunderbar mit.

Ja, das Wohlschmecken, wie es Goethe schrieb, kam wirklich nicht zu kurz an diesem Tag. Der Magen konnte kaum alles aufnehmen, was das Auge wahrnahm. Zum Kaffee die fast nicht mehr überschaubare Vielfalt der Kuchen und Torten – Variationen aus aller Herren Länder. Und früher oder später gab’s zu einem guten Tropfen oder kühlen Nass eine Buffetauswahl sondergleichen – mit internationalen Gerichten aus Bangladesch, Mexiko, Sri Lanka, Peru und der Türkei… es waren Köstlichkeiten kultureller Kochkünste, die in unserem Quartier nur selten auf den Tisch kommen.
Nun zum Eingemachten, das auch den ganz besonderen Charakter und die Stimmung des Festes ausgemacht hat. Auf die Minute genau kam der Paukenschlag: Das „SSB-Blasorchester, 24 Amateurmusiker unter Leitung des Dirigenten Harald Spindler, brachte zum Auftakt schmissige Musik, wie sie zu einem Straßenfest gehört.
In seiner launigen Begrüßungsrede unterstrich Edgar Kurz vom Stiftungsrat der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung die Bedeutung des Generationenhauses Heslach für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Das Vermögen der beiden Herren, so hatten sie es testamentarisch verankert, wurde und wird ausschließlich für soziale Einrichtungen verwendet. So bleiben in Gedenken an Rudolf und Hermann Schmid auch immer ihre Namen mit dem Haus verbunden. Und so wurde auch der Tag zum Straßenfest im Gebrüder-Schmid-Weg.
Dann ging es Schlag auf Schlag mit dem musikalischen, gesanglichen, tänzerischen, theatralischen, malerischen und spielerischen Programm auf die Reise durch alle Kontinente. Der deutsch-albanische Verein Pavaresia spielte und tanzte gleich zweimal auf. Zu Beginn tanzten die Kleinen typische Volkstänze aus ihrer Heimat, musikalisch begleitet von Liedern auf einer dreisaitigen Gitarre und Trommeln, darunter auf der Def, einer traditionellen Rahmentrommel mit Schellenring. Zu späterer Zeit trat dann die etwas ältere Jugend unter Trommelbegleitung zu weiteren landestypischen, folkloristischen Tänzen an.
Als die Kingdom Revelation Ministries auf und vor der Bühne sangen und tanzten, blieb kaum ein Besucher mehr auf seinem Sitz. Zu mitreißender Gospelmusik, die durchs Blut ging, gesungen von Minister Maurice Wilkes, tanzten Linda Edwards mit ihren Ministries zu temperamentvollen African-American-Rhythmen. Etwas ruhiger ging es dann weiter mit türkischen Volksklängen. Das Akustik Trio brachte mit Gesang, Klarinette und Gitarren, u. a. der türkischen siebensaitigen Saz traditionelle Klänge verpoppt zu Gehör.
Nicht nur zum Ohren, auch zum Augenschmaus wurde der Tango-Tanz der Freien Tanzgruppe und Circulo Argentino. Wie zu erwarten, waren die Darbietungen nicht nur zum Zuhören und Zuschauen – die Besucher schwangen selbst ihr Tangotanzbein.
Spanisch und lateinamerikanisch ging es weiter – und das in und mit mehreren Formationen. Die Tanzgruppen Baila México und Illary zeigten traditionell-typische Tänze aus Mexiko und Peru. Und Grupo Doma unter Leitung von Marc Delpy, die bis zum Ausklang des Festes ihr musikalisches Repertoire an spanischen und lateinamerikanischen Liedern aus Folklore und Moderne allein mit akustischen Stilmitteln zum Besten gaben, rundeten das Festprogramm auf der Bühne ab.
Nicht vergessen werden darf das spannende Rahmenprogramm für die Kleinen – für die Jungen und Junggebliebenen. Das Theater Stegmiller Pankratov führte ihr Puppentheaterspiel “Die Füchsin und der Hase“ auf – ein russisches Volksmärchen in Form eines Mitmach-Theaters, das die Phantasie und die kreative Kraft der Zuschauer – quasi von 0 bis 99 – anregen konnte.
Reges Treiben gab es darüber hinaus am “Fotostand“, den das Jugendhaus Heslach zusammen mit demSeniorenNet betreute. “Malworkshops für Jung&Alt“ boten die MüZe Süd sowie der Verein Zuhause leben zusammen mit dem Spielbetrieb an. Zu Letzteren sollte erwähnt sein, dass die von den Kindern gefertigten künstlerischen Exponate – Malerei auf Holz – künftig an der Hausfassade des Generationenhauses Heslach aufgehängt werden.
Nicht vergessen werden darf das Engagement von Studierenden der Dualen Hochschule B-W, die sich im Rahmen ihres Wahlseminars „Bürgerschaftliches Engagement“ sowohl mit einer Malaktion als auch mit einer Befragung zum Thema „Identifikation mit dem Stadtteil“ beteiligten. Bei der Frage „Woran merken Sie, dass Sie in Heslach sind?“ kamen interessante und originelle Antworten zutage. Wir sind gespannt auf die Ausarbeitung ihrer Seminararbeit. – UND Last but not least: Mit einem interessanten Infostand zum Thema verantwortungsbewusste Ernährung und solidarischem Wirtschaften machte SoLaWi Stuttgart auf sich aufmerksam. Und der bengalische Kulturverein Milon brachte am “Hennastand“ traditionelle Pinselstriche künstlerisch auf die Hautoberfläche der Besucher. Eine interessante Darbietung, die die Kreativität fördert, bot der Toastmaster Rhetorik Club: eine “Stegreif-Rhetorik“ – auf das in den Raum geworfene Stichwort ’Baum’ entspann sich ein phantasievolles Gespräch zwischen den Besuchern, mit einem überraschenden Finale.

Apropos Finale: Auch das schönste Fest geht einmal zu Ende – für die Besucher sicherlich mit einem leichten Bedauern. Doch ich bin mir sicher: Dieses Straßenfest im Gebrüder-Schmid-Weg wird für jeden, der dabei war, noch lange in bester Erinnerung bleiben.

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