2 Tage lang lädt das Stuttgarter Rathaus zum „Glücklichsein“ in unserer Gesellschaft ein

Das Glück im Quartier
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Die Fachtagung
„Das gesellschaftliche Miteinander in lokalen Räumen gestalten“

Werner Wölfle, Stuttgarts Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration, stellt in seinem Vorwort zum Programm der am 12. und 13. Januar 2017 stattfindenden Fachtagung im Rathaus die Frage, warum die Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung und die Stadt Stuttgart gemeinsam diese Tagung über das „Glück“ gestalten. Und er gibt auch gleich die entscheidende Antwort: Weil auch unsere Stadt und gute Nachbarschaften in unseren Quartieren zum Glück ihrer Einwohnerinnen und Einwohner beitragen.
Wenn die Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts die große Chance haben, anlässlich dieser Fachtagung Glück im Quartier in verschiedenen Workshops und bei Talkrunden über Werte und Lebensqualität im gesellschaftlichen und gemeinwohlorientierten Miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen, dann zeigt dies, dass es für die Kommune wichtig ist, was für ihre Einwohner/innen ein ‚gutes Leben’ in Stuttgart bedeutet. Und wenn dazu noch ein profunder Kenner Rede und Antwort steht, was Glück und Wohlbefinden in unseren sozialen Gesellschaftsräumen für jeden Einzelnen heißt, dann lohnt es um so mehr, sich bei dieser Fachtagung aktiv einzubinden – konkrete Bürgerbeteiligung par excellence zu einem Thema, das uns alle betrifft.

thohavinhDer profunde Protagonist, der sich als Botschafter für Glück im Sinne von Lebenszufriedenheit versteht, ist kein Geringerer als Dr. Tho Ha Vinh, der Programmdirektor des Zentrums für Bruttonationalglück und Leiter des Gross National Happiness (GNH) Centres in Thimphu, der Hauptstadt Buthans. In dem südasiatischen Königreich Bhutan ist das Recht auf Glück staatspolitisch verankert. Seit 2008 heißt es in der Verfassung, dass das Wohlbefinden der Bevölkerung gesetzlich vorgeschrieben wird. Der bereits 1972 verfasste Grundgedanke, dass Glück keine soziale Kompetenz, sondern die Fähigkeit zu Mitgefühl und Empathie ist, die sich alle Bürger/innen aneignen können, wurde zum Staatsziel erklärt. „Das Bruttonationalglück ist wichtiger als das Bruttoinlandsprodukt“ – mit diesem ‚Rezept’ wurde 2012 ein Institut gegründet, das Fünfjahrespläne für gesteigerte Lebensqualität ausarbeitet: Das Gross National Happiness Center, das von Dr. Tho Ha Vinh von Anfang an geleitet wird.
Wer den promovierten Erziehungswissenschaftler auf das Thema „Bruttonationalglück“ anspricht, wird sofort hören, dass es für ihn kein Patentrezept zum Glücklichsein gibt. Dr. Tho Ha Vinh unterscheidet dabei eine äußere Seite, das gesellschaftliche Glück – resultierend aus der sozialen Verantwortung, damit sich Menschen in einem gesellschaftlichen Miteinander wohlfühlen. Die andere Seite ist das innere Glück, womit allerdings keine oberflächliche Wohlfühl-Erwartung nach dem Motto ‚Es geht mir gut’ gemeint ist. Dem Bruttonationalglück liegt die Idee zugrunde, nicht nur wirtschaftliche und materielle Faktoren für ein Wohlbefinden einzubeziehen, sondern vor allem auch seelische und emotionale Bedürfnisse, die Menschen im täglichen Umgang miteinander erfüllt bekommen: Dies bewirkt eine ‚partizipierende’ Lebensqualität, die aus einer persönlichen Zufriedenheit zum Gemeinwohl beiträgt.
„Das Bruttonationalglück ist keine Utopie, sondern eine Chance für die ganze Welt …“ – mit dieser Kernaussage hält Dr. Tho Ha Vinh heute als ‚Glücksbringer’ Vorträge in aller Herren Länder. Anhand des von seinem Center entwickelten multidimensionalen Konzeptes, das subjektives Wohlbefinden als auch soziale Aspekte umfasst, lässt sich inzwischen in Bhutan das „Glück“ erheben. Der Index umfasst neun Bereiche – psychologisches Wohlbefinden, die Verwendung von Zeit, die Vitalität der Gesellschaft, kulturelle Diversität, ökologische Resilienz, Lebensstandard, Gesundheit, Bildung und staatliche Verantwortung – und wird mit Hilfe von 33 aggregierten Indikatoren messbar gemacht. Aus den Ergebnissen kann abgelesen werden, welche Bevölkerungsgruppen in welchen gesellschaftlichen Bereichen glücklich bzw. unglücklich sind. Diese Daten geben der Regierung Bhutans Hinweise, wie sie die Lebensbedingungen der weniger glücklichen Einwohner/innen verbessern kann.
Man kann wirklich – umgangssprachlich formuliert – von „Glück reden“, auf der Fachtagung eine der fundamentalsten Koryphäen zum Thema „Grundrecht zum gesellschaftlichen Glück“ zu hören. Und man darf gespannt sein, was er in seinem Grundsatzvortrag „Die inneren und äußeren Bedingungen des Glücks – eine globale und lokale Perspektive“ zu sagen weiß.

Alle Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts sind herzlich zur Fachtagung „Glück im Quartier“ eingeladen. Der Besuch ist kostenfrei und über die Online-Anmeldung www.gebrueder-schmid-zentrum.de/fachtagung/anmelden/ erforderlich. Das ausführliche Programm für beide Tage ist ebenfalls auf der Homepage www.gebrueder-schmid-zentrum.de/fachtagung/einleitung/ nachzulesen.
Und wer Dr. Tho Ha Vinh lesen möchte, empfiehlt sich das Buch: „Grundrecht auf Glück: Bhutans Vorbild für ein gelingendes Miteinander“ – Verlag nymphenburger – ISBN 978-3-485-02817-2.

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